Athos - autonome Mönchsrepublik unter griechischer Souveränität

 

Ein Besuch dieser Koordinaten ist kein Abenteuertrip - sondern eine Pilgerreise. Athos zu bereisen gestaltet sich schwierig: Nicht nur die Ein- und Ausreise, die zu 99% per Wasserweg absolviert werden muss, sondern ein umfangreiches Verwaltungs-Prozedere filtert all jene Seelen aus, die es mit Ihrem Vorhaben, in die Glaubens- und Vorstellungwelt der christlichen Orthodoxie einzutauchen, nicht allzu ernst meinen. So benötigt Ihr ein Visum, das 4 Tage Gültigkeit besitzt - und nur an Männer ausgestellt wird. Sämtliche Verwicklungen, Verwaltungsakte und Besonderheiten, die mit einem Besuch der Mönchsrepublik einhergehen, haben ich auf dieser Seite zusammengetragen.

 

Wie ich die Mönchsrepublik erlebte: Wenn Ihr tiefer in die Vorstellungs- und Gedankenwelt 

christlichen Orthodoxie eintauchen möchtet - besucht Arthos. Möchtet Ihr an

von Klöstern bevölkerten Berghängen herumkraxeln - nähert Euch - respektvoll - den thessalischen

Felsnadeln um Kalambaka und Kastraki weiterlesen>>>   

    

 

Athos - die ersten Schritte

 

Zunächst benötigt Ihr ein Visum, eine sogenannte Diamonitrion.  Diese wird nicht-orthodoxen Männern ausschließlich in Thessaloniki, und zwar im Büro für Einreisegenehmigung der Mönchrepublik Athos ausgestellt. Voraussetzung ist - wie sollte es anders sein - ein schriftlicher Antrag auf Einreise (für maximal 3 Übernachtungen bzw. 4 Tage). Problem: Einen "Einreisetermin" erhalten pro Tag lediglich 10 männliche Ausländer (maximal 120 männliche Personen). Und zwar frühestens 6 Monate vor geplanter Einreise. Da das Kontingent knapp ist, solltet Ihr genau 6 Monate vor Einreise Euren Antrag stellen, sonst werdet Ihr aller Wahrscheinlichkeit nach Athos nie besuchen.

 

Eine Besonderheit stellen übrigens die Einreiseregeln für orthodoxe- und Geistliche aller Konfessionen dar (Nicht-Geistliche müssen sich diesen Absatz nicht zu Gemüte führen): Ein hochkomplexes Prozedere geht mit den  oben und unten beschriebenen Schritten zusätzlich einher, so müssen jene Reisende auch eine Erlaubnis (Evlogia) des Ökumenischen Patriarchats Konstantinopel einholen. Dem schriftlichen Antrag muß ein Empfehlungsschreiben des jeweils zuständigen Bischofs oder der eigenen Kirchenleitung beilegen, ein Empfehlungsschreiben des orthodoxen Bischofs (z. B. des Erzbischofs von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa, Dietrich-Bonhoeffer-Str. 2, 53287 Bonn-Beuel) kann zwecks schnellerer Bearbeitungszeit sehr hilfreich sein. 

 

Da ich auf meinen Reisen orthodoxe Christen kennengelernt habe, die während Ihres Athos-Einreise-Hürdenlaufs einen Sonderweg beschritten haben, sei  dieser an dieser Stelle - nicht nur der Vollständigkeit halber - ebenfalls erwähnt: Orthodoxe Christen können ein Empfehlungsschreiben erbitten, um Athos auch außerhalb des

vorgeschriebenen Kontingents zu besuchen. Die Adresse des zuständigen Bistums lautet: Bistum Mitropolis,Odos Vogatsikou 7, 54622 Thessaloniki. Falls Du ein (männlicher) orthodoxer Christ bist, benötigt das Bistum in Thessaloniki jedoch ein Empfehlungsschreiben Deiner orthodoxen Kirchengemeinde, um Deinem Wunsch zu entsprechen.  

   

Die exakten Schritte:

- 6 Monate vor Eurer Reise Interesse an einer Einreise bekunden. Schriftlich (per Mail oder Fax, auch der postalische Weg steht Euch nach wie vor offen) oder telefonisch (auf englisch oder griechisch). Kontakt: Pilgerbüro der Heiligen Gemeinde des Athos in Thessaloniki, Egnatia Odos 109, 54635 Thessaloniki, Griechenland. Telefon: 0030-2310-25 25 78, Fax: 0030-2310-22 24 24. E-Mail: athosreservation@gmail.com

- Nach eingegangenem Interesse heißt es warten. Wickelt Ihr diesen ersten Schritt per E-Mail ab, bekommt Ihr in der Regel  eine Bestätigungs-E-Mail, daß Euer Ersuchen bearbeitet wird. Erhaltet Ihr schließlich einen "positiven Bescheid", ist das gleichbedeutend mit einer "Vorreservierung". Euer Termin ist ab hier vorgemerkt   

- Vorgemerkt bedeutet: Ihr werdet nun aufgefordert, eine Kopie Eures Reisepasses oder Personalausweises zusammen mit dem formlosen Antrag per Post an das Pilgerbüro der Heiligen Gemeinde des Athos in Thessaloniki zu senden. Werden keine Einwände erhoben (die Entscheidung des Pilgerbüros ist nicht anfechtbar), bekommt Ihr schließlich eine schriftliche Bestätigung, daß Ihr Athos besuchen dürft

- Spätestens 14 Tage vor Einreise muß Euer Einreisetermin bestätigt werden. Vergesst Ihr die Bestätigung, erlischt Euer Erlaubnis und Ihr könnt nicht einreisen.  

- Zum vom Pilgerbüro in Thessaloniki genannten Termin müsst Ihr im Pilgerbüro in Ouranopolis (ein vor den Toren der Mönchsrepublik liegender Ort mit 850 Einwohnern) vorstellig werden, in dem Ihr letztlich Euer eigentliches Visum (Diamonitrion) erhaltet. Eine reine Formalität (die Euch 35 € kostet), läuft in der Regel ohne Probleme über die Bühne   

- Vom Pilgerbüro aus geht es hinüber zur Fähre (Abfahrt täglich 9.30 Uhr). Nach lösen des Tickets startet Ihr nach Athos

- Die Griechische Botschaft in Deutschland oder die Deutsche Botschaft in Griechenland wird Euch auf Eurem Weg nach Athos nicht behilflich sein können. Es gibt nur diesen, oben beschriebenen Weg     

  

Eine wichtige, kalendarische Information

Für die Regelung all jener - weltlichen - Implikationen, die ich oben beschrieben habe, gilt der gregorianische Kalender (dazu zählen natürlich auch sämtliche Übernachtungs-Reservierungen in den Klöstern, siehe unten). Beinahe alle weiteren Verwicklungen liegt der julianische Kalender zugrunde; woraus resultiert, daß sämtliche Daten (für einen Pilger aus deutschsprachigen Ländern) ganz einfach um 13 Tage nach hinten verschoben sind.

 

 

 

Athos - die zweiten und dritten Schritte

Grundsätzliche Informationen über eine Athos-Reise, wie ich sie während meines Besuches zusammengestellt, erfahren und verwertet habe

- besucht Ihr Athos, ist das Übernachten in einem Kloster Pflicht 

- jedes Kloster auf Athos gewährt jedem männlichen Pilger lediglich eine Übernachtung. Macht Ihr ernst mit Eurer Reise, benötigt Ihr bei Ausreizung Eures Kontingents also 3 Klosterübernachtungen

- macht Eure Übernachtungen vor Einreise nach Athos klar. Ihr könnt - müsst - Euch telefonisch anmelden. Sonst ist das Bettenkontingent unter Umständen auch ohne Euch erschöpft   

- haltet Euer Visum (Diamonitrion) allzeit bereit. Betretet Ihr ein Kloster, müsst Ihr dieses Dokument dem Archondarikas (jenem Mönch, der für Euren Empfang zuständig ist) vorzeigen 

- habt Ihr keine Übernachtung in einem bestimmten Kloster klargemacht, könnt Ihr vor Einbruch der Dunkelheit an entsprechender Klosterpforte dennoch um Einlass bitten. Die Mönche sind keine Unmenschen und werden Euch Refugium gewähren, auch in den strengeren, sogenannten "zelotischen Klöstern". Nutzt diese Möglichkeit jedoch nicht aus. Meine Empfehlung: nehmt diesen Akt der Nächstenliebe nur in Anspruch, wenn Ihr Euch auf Eurer Pilgerwanderung über die  schroffe Felsen-Halbinsel verkalkuliert habt und Eure reservierte Herberge nicht rechtzeitig erreicht. Daher betretet "Euer" Kloster rechtzeitig, möglichst am frühen Nachmittag      

- es kann kalt werden auf Athos. Zu Eurer Backpack-Ausrüstung gehören lange Unterhosen und ein warmer Pullover  

- Eure klösterliche Übernachtung kann in einem Schlafsaal mit mehreren Betten oder in einer Einzel- oder Doppelbettzelle stattfinden. Lasst Euch überraschen, ein Veto ob der zugewiesenen Schlafstelle wird nicht akzeptiert  

  - Gruppen sind nur bis maximal 5 Personen erlaubt  

- meiner Erfahrung nach gestalten sich Diskussionen mit Orthodoxen Christen etwas weniger schwierig als mit Evangelikalen, trotzdem solltet Ihr auf Athos - neben dem immer und überall gebotenen, selbstverständlichen Respekt gegenüber Gläubigen aller Religionen - mit Vorsicht in tiefere Glaubensgespräche einsteigen. Seid Ihr an ein eintauchen in christliche Mystik, in altes Schrifttum - oder einem gegenüberstehen vor uralten, sakralen (Kult-) Gegenständen - interessiert, wird es schwierig. Da Orthodoxie eine Kanonisierung all jenem (nicht nur schriftlichen) Material beinhaltet, welches einst breitgefächert(er) vorlag und an dem Ihr interessiert sein könntet, wäre eine Öffnung der Archive sowieso ein ziemlicher Widerspruch. Mit 95%iger Sicherheit bleiben Eurer Recherchen auf Gespräche mit Pilgern - aber auch Mönchen - und durchaus interessanten Besuchen der Gottesdienste (auch des um 4 Uhr nachts stattfinden "Orthros", Zugang nicht in jedem Kloster) beschränkt. Seid Ihr nicht nur an einer museal ausgestellten "ältesten Abschrift des Markus-Evangeliums", wie jener auf Patmos (Johanniskloster) >>>weiterlesen interessiert, vor der ich im Rahmen meiner umfangreichen Patmos-Reise gestanden habe, wäre ein Besuch des Klosters Megisti Lavra interessant.    

- bei stattfindenden, jedoch immer gescheiterten Versuchen seitens größerer, weltlicher Strukturen ob des Frauenverbotes gegen die Mönchsrepublik vorzugehen, verweist Athos übrigens gerne auf uralte, byzantinische Schriftstücke, die der Klosterregion bis in alle Ewigkeit Souveränität gewährt  

- das Frauenverbot greift übrigens tiefer, als viele Besucher wahrnehmen: auch weibliche Tiere - bis auf wenige Ausnahmen, z.B. Katzen - "sind auf Athos verboten" bzw. werden auf Athos nicht gehalten  

- Eine Kloster-Übernachtung beinhaltet auch eine karge Mahlzeit mit den Mönchen

- in den Klöstern sind Langarm und lange Hosen vorgeschrieben

- bei hohem Wellengang fährt mitunter keine Fähre, was ein Problem bei der Ausreise - die erfolgen muss - darstellt. In diesem Fall werdet Ihr auf dem Landweg außer Landes gekarrt. Was zeitaufwendig, alles andere als gratis bzw. sehr kostspielig ist (eine Athos-Pilgerreise wegen eines möglichen verpassen des Rückfluges immer am Anfang eines Griechenlands-Trips platzieren) 

 

  

Die Klöster 

 Seit 1783 ist die Anzahl der Athos-Klöster auf 20 fixiert (Typikon), seit 1924 ebenfalls per Gesetzt. Neben den Klöstern existieren zusätzlich sogenannte Skiten - kleine, dorfähnliche Siedlungen (Skiti), bevölkert von maximal 6 Mönchen, deren Anzahl seit Anfang der 2000er Jahre zwischen 20 - 22 schwankt. Dazu kommen einige Kellien (kleinere Mönchsgemeinschaften bis ebenfalls maximal 6 Mönchen) und einige wenige Einsiedlereien (einzelne Mönche entscheiden sich hier zu einem ultimativ-asketischen Leben in völlig abgeschiedenen Regionen).

 

Die Klöster im einzelnen, angeordnet nach der hierarchischen Rangfolge, die bereits im 16. Jahrhundert bestimmt wurde:

 

1. Megistis Lavras / griechisch, gegründet 963

2. Vatopaidiou / griechisch, gegründet um 980

3. Iviron, griechisch / gegründet Ende des 10. Jhd.

4. Chilandaríou / serbisch, gegründet 10. Jhd.

5. Dionysíou / griechisch, gegründet 1370

6. Koutloumousíou / griechisch, gegründet im 10. Jhd.

7. Pantokrátoros / griechisch, gegründet um 1350

8. Xiropotámou / griechisch, gegründet Ende des 10. Jhd.

9. Zográphou / bulgarisch, gegründet im 10. Jhd.

10. Dochiariou / griechisch, gegründet im 10. Jhd.

11. Karakállou / griechisch, gegründet im 11. Jhd.

12. Philothéou / griechisch, gegründet um 1070

13. Simonos Petra / griechisch, gegründet um 1350

14. Ágiou Pávlou / griechisch, gegründet im 10. Jhd.

15. Stavronikita / griechisch, gegründet im 11. Jhd.

16. Xenophóntos / griechisch, gegründet im 11. Jhd.

17. Grigoríou / griechisch, gegründet im 14. Jhd.

18. Esphigmenou / griechisch, gegründet um 1000

19. Agiou Panteleimonos / russisch, gegründet 1765

20. Konstamonítou / griechisch, gegründet im 11. Jhd.

 

Athos - kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Der Besuch der Mönchsrepublik war eines der großen Highlights meiner 10-monatigen Griechenland-Reisen...
Athos - kurz vor Einbruch der Dunkelheit. Der Besuch der Mönchsrepublik war eines der großen Highlights meiner 10-monatigen Griechenland-Reisen...